Bei einer Psychotherapie denkt so mancher direkt an die klassische Couch, bei der sich der Klient bei einem bärtigen, stirnrunzelnden bebrillten Mann das Herz ausschüttet. Diese Situation wird man wohl am ehesten bei der Urform der Psychotherapie vorfinden – den psychodynamischen, oder heute eher tiefenpsychologisch fundierten Therapien.  Hierbei gilt es, gemeinsam mit dem Therapeuten die eigene unbewusste Psyche zu ergründen- und wie verdrängte Gefühle und Gedanken das Verhalten im Alltag beeinflussen können.
Gerlinde BarettonDie psychodynamische Therapie geht der Frage nach, warum sich bestimmte Gefühle, Konflikte oder Beziehungsmuster immer wiederholen – und welche unbewussten Erfahrungen dahinterwirken können. Oft sind es frühe Prägungen, innere Loyalitäten oder alte Schutzstrategien, die einst sinnvoll waren, heute aber im Alltag belasten: etwa in Partnerschaft, Beruf, Selbstwert oder im Umgang mit Stress. In diesem Beitrag erhalten Sie eine verständliche Orientierung, was psychodynamische Therapie ausmacht, wie eine Behandlung typischerweise abläuft und für welche Anliegen sie besonders geeignet sein kann. Wenn Sie dabei Hilfe zur Entscheidung brauchen, schreiben Sie mir gerne oder rufen mich für ein kostenfreies Erstgespräch unter 0170 38 175 74 an.“

Was sind die Schwerpunkte der psychodynamischen Therapien? Oder: Wie wird in der psychodynamischen Therapie gearbeitet?

Innerhalb der psychodynamischen Behandlung ist es die Aufgabe des Therapeuten zunächst aufmerksam zuzuhören, wenn der Klient seine Probleme schildert. Aus beschriebenen Verhaltensmustern und der Reaktion auf Rückfragen kann er im besten Fall unbewusste Gefühle des Klienten ableiten. Oft werden emotionale Problemsituationen aus der Kindheit beleuchtet, die damals nicht bewusst verarbeitet werden konnten und somit verdrängt wurden. Eine Technik kann hier die Traumanalyse darstellen, bei der Träume nach unbewussten Emotionen interpretiert werden. Eine freie Assoziation kann durch spontane, ungeordnete Antworten des Klienten zeigen, was dieser unbewusst denkt und fühlt, ohne vorher zu sehr durch Nachdenken einzugreifen. Während der psychodynamischen Therapie gilt das Prinzip der Übertragung – Gefühle, die aus vergangenen Konflikten zum Vorschein kommen, sollen auf den Therapeuten übertragen und so dem Klienten zur Verarbeitung gespiegelt werden.

 

Bei welchen Störungen werden psychodynamische Therapien häufig angewendet?

Grundsätzlich können psychodynamische Therapien für fast alle Störungsbilder Anwendung finden- bei einigen bietet sich aber eine Kombination mit anderen Therapieformen an. Bei Ess-, Angst- oder Zwangsstörungen bieten sich Kombinationen mit verhaltenstherapeutischen Maßnahmen an, da hier das bewusste Verhalten als Problematik im Vordergrund steht. Ist die Problematik noch nicht greifbar oder fällt es dem Klienten schwer, konkret über seine Probleme zu sprechen, ist die psychodynamische Psychotherapiearbeit sinnvoll. Bei der Behandlung von Traumata und Folgestörungen wird von psychodynamischen Behandlungsmethoden eher abgeraten, da diese als unbewusste Konfrontation auch destabilisierend auf das Gefühlsleben und den Alltag wirken können.

 

Freud und Leid- was sind die Grenzen psychodynamischer Ansätze?

Psychodynamische Ansätze können unbewusste Konflikte sichtbar und bearbeitbar machen. Konkrete Verhaltensanleitungen und -bearbeitungen können in der psychodynamischen Therapie aber nicht gegeben werden.  Besonders in der Psychoanalyse ist unbedingt auf eine fundierte klinische Ausbildung des Therapeuten zu achten, da die Interpretation der Gefühle des Klienten eine große Verantwortung ist und immer durch die Sichtweise des Therapeuten geprägt ist. Durch die aktive Rolle des Therapeuten muss hier auch die Gefahr für Suggestionen durch den Therapeuten genannt werden, wenn Erinnerungen nicht völlig durch den Klienten zugänglich sind.

 

 

Welche psychodynamischen Therapien gibt es?

 

Psychoanalyse

Der österreichische Arzt Sigmund Freud entwickelte diese Therapieform in den frühen 1900er Jahren. Damals wie heute liegt der Patient klassischerweise auf der Couch, während der Therapeut hinter oder neben ihm sitzt. Während der Therapie kommen Techniken wie die Traumdeutung und Freie Assoziation zum Einsatz, um unbewusste Konflikte und verdrängte Erinnerungen zum Vorschein zu bringen. Hierdurch sollen depressive oder Angstsymptome, die durch verdrängte Traumata entstehen, aufgelöst werden. Dieses Verfahren richtet sich an Menschen mit einer stabilen Psyche, da die Behandlung das gesamte innere Glaubenssystem neu aufbaut und sich über Jahre strecken kann.

 

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie

 Die tiefenpsychologisch fundierte Therapie ist weniger intensiv und für die Bearbeitung von Gegenwartsproblemen geeignet. Hierbei gilt es, Konflikte und Emotionen aus der Kindheit hervorzuholen und diese kritisch zu hinterfragen: Sind Handlungsmuster, die daraus heute entstehen noch zeitgemäß? Sorgen einzelne Gedanken und Konflikte aus der Kindheit dafür, dass man nicht nach seinen aktuellen Bedürfnissen handelt?  Bei dieser Therapieform wird sich im Gegensatz zur Psychoanalyse während der Sitzung gegenübergesessen und die Probleme im Hier und Jetzt besprochen.

 

 Jung’sche Therapie

Auch Carl Jung teilte die Auffassung des Unbewussten, in dem sich Konflikte verbergen können. Allerdings werden persönliche Erinnerungen in der analytischen Therapie nach Jung als Teil eines größeren Ganzen gesehen- kulturelle Erfahrungen und Symbole der menschlichen Spezies werden im sogenannten kollektiven Unbewussten gespeichert. Neben diesen werden mit Schattenanteilen (Gefühle, die wir vor Anderen verbergen) Anima (jeweils gegensätzlich männlichen/weiblichen Anteilen bei Männern und Frauen) sowie der Persona (das äußere Bild, das andere Menschen von uns haben) gearbeitet. Auch hier kommen Assoziationen (hier: zu Wörtern) und die Traumanalyse bei der Therapie zum Einsatz.

 

Selbstpsychologie

Die selbstpsychologische Therapie nach Kohut ist eine zeitgenössiche Form der Psychonanalyse. Hierbei gilt es, versäumte Erfahrungen von Unterstützung und Empathie in der Kindheit aufzuarbeiten und zu verstehen, wie Sie die jetzigen Beziehungen beeinflussen. Der Therapeut nimmt dabei eine aktive Rolle zur Unterstützung ein, damit der Klient seine Bedürfnisse und die seiner Mitmenschen erkennen und das Selbstbewusstsein entwickeln kann, diese in seinen Beziehungen umzusetzen.

 

Transaktionsanalyse

Bei dieser Therapieform wird ein etwas anderer Schwerpunkt gesetzt: hier wird sich die Interaktion der Person mit Anderen angeschaut. Es wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch aus einem kritischen oder fürsorglichen Eltern-Zustand, einem rationalen, gegenwärtigen Erwachsenenzustand und einem kindlichen Zustand handeln kann. Konflikte können entstehen, wenn gleichzeitig mehrere Zustände aktiviert werden oder bspw. kindliche Zustände nicht mehr angemessen sind. Der Therapeut macht diese Vorgänge dem Klienten begreiflich und erarbeitet mit dem Klienten ein ihm förderliches Handlungsmuster auf Basis des Erwachsenenzustands.

 

 

Weiterführende Links

Wenn Sie sich weiter über psychodynamische Therapieformen informieren möchten, empfehlen wir folgende Links:

Tiefenpsychologisch fundierte Therapie – netdoktor.de

Selbstpsychologie – freud-museum.at

Analytische Psychologie nach Jung – DGAP Deutsche Gesellschaft für analytische Psychologie e.V.

Transaktionsanalyse – transaktionsanalyse-online.de

Allgemeines zu psychodynamischen Therapien – springermedizin.de

 

Therapeutensuche

Wenn Sie an einer (tiefenpsychologisch fundierten oder psychoanalytischen) Psychotherapie interessiert sind, kann ihnen die Therapeutensuche der DGPT, der deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie e.V., weiterhelfen. Kontakte zu Psychotherapeuten finden Sie unter folgendem Link:

Zur Therapeutensuche

 

Buchempfehlung

(Eine allgemeine  Buchempfehlung finde ich persönlich bei den Therapieformen nicht sinnvoll, da die meisten Bücher für PsychotherapeutInnen geschrieben sind und so weniger informieren als vielmehr verwirrend und mit Fachchinesisch daherkommen. Hier einige Empfehlungen zu einzelnen Konstrukten aus der Psychoanalyse: )

Abriss der Psychoanalyse Freud, 2010    Unbewusstes Gödde & Buchholz (2011)