Wir denken, also sind wir. Bereits Philosoph Descartes hatte das treffend beschrieben – trotzdem sollten wir uns nicht immer von unseren Gedanken leiten lassen. Diesem Grundsatz folgen vor allen kognitive Therapieansätze. Falsche, oft negative Glaubenssätze über uns und Dinge, die uns widerfahren, können dazu führen, dass Verhalten auf falschen Annahmen beruht und psychische Probleme verursacht. Diese negativen Muster können in der Therapie identifiziert und aufgelöst werden. In behavioralen Therapien soll nicht hilfreiches Verhalten direkt durch positives Verhalten ersetzt werden.

 

Gerlinde Baretton„Dieser Beitrag gibt Ihnen einen verständlichen Überblick über die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT). Sie gehört zu den am häufigsten angewandten und wissenschaftlich am besten untersuchten Therapieformen – und ist dabei sehr alltagsnah: Im Mittelpunkt steht, wie Gedanken, Gefühle und Verhalten zusammenhängen und sich gegenseitig beeinflussen. Häufig halten uns automatische Bewertungen („Ich schaffe das nicht“, „Ich darf keinen Fehler machen“) und erlernte Strategien kurzfristig über Wasser, verstärken langfristig aber Stress, Ängste oder depressive Stimmung. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie KVT funktioniert, wie eine Sitzung typischerweise abläuft und welche Methoden eingesetzt werden – zum Beispiel das Erkennen und Prüfen von Denkmustern, Verhaltensübungen, Exposition bei Ängsten oder der Aufbau hilfreicher Routinen. Wenn Sie dabei Hilfe zur Entscheidung brauchen, schreiben Sie mir gerne oder rufen mich für ein kostenfreies Erstgespräch unter 0170 38 175 74 an.“

Wie wird in kognitiven Therapien gearbeitet?

In kognitiven sowie Verhaltenstherapien gibt es keine klassische Therapeuten-Analyse-Situation auf der Couch. Vielmehr geht es darum, gemeinsam als Therapeut und Klient hilfreiche Verhaltensmuster zu erarbeiten und vorhandene Probleme zu diskutieren. Dabei ist die Beziehung flexibel gestaltet und als wechselseitig anzusehen. Der Klient nimmt stets eine aktive Rolle für die Problemlösung ein. Durch diese Art der Therapie auf Augenhöhe kann der Klient sein Problemverhalten aus einer anderen Perspektive sehen und der Therapeut Handlungen verstärkt werden, die dem Klienten guttun.

 

Bei welchen Störungen werden kognitive Therapien häufig angewendet?

Im Allgemeinen können kognitive und Verhaltenstherapien immer dann angewendet werden, wenn das Problem dem Klienten bewusst ist und sich ein klares Problemverhalten oder problematische Gedankenmuster zeigen. Der Klient sollte Einsicht und einen Änderungswunsch seiner Gedanken und Verhaltensweisen besitzen. Klassische Störungsbilder für derartige Therapien sind bspw. affektive Störungen wie Depressionen, Zwangsstörungen oder Angststörungen sowie Suchterkrankungen.  

 

Wo sind die Grenzen von kognitiven Therapien?

Bei kognitiv/behavioralen Therapien ist eine Voraussetzung für den Erfolg der Therapie, dass eine Einsicht in das Problemverhalten besteht bzw. der Klient dieses auch reflektieren kann und im Alltag ändern möchte.  Für den Klienten bedeutet eine solche Therapie also viel emotionale Arbeit, auch nach den Therapiesitzungen im Alltag. Das Reflektieren von jahrelang akzeptierten Glaubenssätzen und Verhaltensweisen kann außerdem destabilisierend sein und auch mal eine emotionale Achterbahnfahrt bei alltäglichen Handlungen verursachen.

 

 

Welche speziellen Therapieformen werden unterschieden?

 

Verhaltenstherapie / behaviorale Therapie

Dem Kind ein Stück Schokolade für sein gutes Benehmen geben, den Hund mit besonders hoher Stimme loben oder für den fünften Kaffee im Stempelheft einen umsonst bekommen- all das sind Techniken der positiven Konditionierung, die bei der Verhaltenstherapie zentral sind. Hierbei wird ein vorher neutraler Reiz (zb. das Hinsetzen des Hundes) mit einer Belohnung verbunden (zb. ein Lob oder Leckerchen), das für zukünftiges Verhalten als Verstärker dient. Auch bei Phobien, ADHS, Suchterkrankungen oder Zwangserkrankungen kann gutes Verhalten so (auch selbst) vom Klienten verstärkt und vermeidendes Verhalten langsam abgebaut werden.

 

Kognitive Therapie

Diese Therapieform setzt an negativen Gedanken als Wurzel des psychischen Übels an: negative Gedanken über uns selbst, die Welt oder über die Zukunft können verzerrte Wahrnehmungen im Alltag erzeugen und so Erfahrungen und Gedanken weiter verschlechtern. Die kognitive Therapie versucht diesen Kreislauf durch Gespräch und Reflexion zu durchbrechen und irrationale und rationale Gedanken ausfindig zu machen. So kann durch die Änderung der (negativen) Gedanken und der Grundeinstellung auch das negative Verhalten verändert werden.

 

Kognitive Verhaltenstherapie

Hier werden nun Strategien aus behavioralen und kognitiven Therapieformen zusammengefasst: Es gilt, die Gedanken, Handlungen und Gefühle des Klienten sichtbar zu machen, um herauszufinden, wie diese die Handlungen beeinflussen. Bei den Kreisläufen aus negativen Gedanken und Verhaltensmuster sollte dann in der Therapie angesetzt werden. Therapeut und Klient lernen also nach und nach, wie die Gedanken des Klienten seine Wahrnehmungen und Handlungen beeinflussen und der Therapeut kann so immer besser unterstützende Strategien an die Hand geben und mit dem Klienten während der Therapie einüben. Auch zwischen den Therapien beobachtet der Klient seine Gedanken und Handlungen, bspw. mit Protokollen.

 

Dritte Welle- Therapien

In der “dritten Welle” der Psychotherapie geht es darum, Gedanken zu eliminieren, die für den Klienten nicht förderlich ist. In der Akzeptanz und Commitment-Therapie (ACT) beispielsweise soll die Beziehung zu den eigenen Gedanken positiv verändert werden. Eigene Werte, die Akzeptanz der eigenen Gedanken und das wertfreie Beobachten des eigenen Selbst sind weitere Komponente dieser Therapieform. Eine weitere Therapieform stellt die Dialektisch-behaviorale Therapie dar. Diese ist vor allem für Menschen mit starken Persönlichkeitsstörungen emotionaler Art konzipiert. Hierbei werden Skills trainiert, die sich um die Wahrnehmung der eigenen Emotionen, des respektvollen Umgangs mit Anderen, der Stresstoleranz sowie der Regulierung der eigenen Gefühle drehen.

 

Kognitive Prozesstherapie (CPT)

Diese Therapieform richtet sich vordergründig an Menschen, die unter den Folgen schwerer Traumatisierungen, einer sog. Posttraumatischen Belastungsstörung, leiden. Die Therapie hilft dem Klienten, nicht hilfreiche Blockadepunkte (bspw. Gefühle der Hilflosigkeit und Selbstwertprobleme) zu erkennen, die die Symptome der Belastungsstörung aufrechterhalten. Sie lernen, ihr Trauma in der jetzigen Situation zu überdenken und verzerrende Gedanken neu zu strukturieren. So können Klienten künftige Gedanken selbst bewerten lernen und erkennen, ob diese hilfreich sind oder ein Relikt aus der Zeit der Traumatisierung.

 

Rational- emotive Verhaltenstherapie (REVT)

„Ich Idiot habe schon wieder das Essen anbrennen lassen. Was kann ich eigentlich?“ Solche negativen Gedanken sind klassische Inhalte bei der rational-emotiven Verhaltenstherapie. Anhand des ABC-Modells, nachdem ein aktivierendes Event beliefs (Überzeugungen) verursacht und c Konsequenzen nach sich zieht, lernen Klienten, wie ihre negativen Gefühle durch die eigenen Bewertungen der Situation zustande kommen. In der Therapie gilt es, diese Bewertungen aufzulösen und effektivere Gedanken und Gefühle zu erarbeiten. Diese Therapieform kann besonders bei Angststörungen und Phobien hilfreich sein.

 

Wie lange dauern kognitive Therapien im Durchschnitt?

Im Gegensatz zu psychoanalytischen Therapien sind kognitive und behaviorale Therapien als Kurzzeittherapien angesetzt. Hierbei ist die Dauer von der individuellen Symptomschwere und der persönlichen Annahme der Therapieinhalte abhängig. So kann es einem Klienten schon nach einigen Sitzungen besser gehen- während ein anderer eine Therapie über Monate benötigt. Üblich sind wöchentliche Sitzungen, auch dies ist aber von der Symptomschwere des Klienten abhängig. Die Krankenkasse bewilligt hierbei die Sitzungen, die von dem Therapeuten bzw. Arzt angeordnet werden.

 

Interessante (gut verständliche) Links im Internet

 

 

Kognitive Verhaltenstherapie – gesundheitsinformation.de

 Techniken der kognitiven Verhaltenstherapie- Neurologen und Psychiater im Netz

Verhaltenstherapie- netdoktor.de

 

Therapeutensuche

Wenn Sie an einer (kognitiven oder behavioralen) Psychotherapie interessiert sind, kann ihnen die Therapeutensuche des BDP, des Berufsverbands Deutscher Psychologinnen und Psychologen, weiterhelfen. Kontakte zu Psychotherapeuten finden Sie unter folgendem Link:

Zur Therapeutensuche

 

Buchempfehlungen

 

Kognitive Verhaltenstherapie leicht gemacht – von Seth J. Gillihan

 Rational-Emotive Verhaltenstherapie – von Albert Ellis, Debbie Joffe Ellis