Wir alle sind täglich Teil eines Systems- der Familie, des Berufsumfelds oder unter Freunden. In der systemischen Therapie wird daher nicht nur der Klient allein betrachtet, sondern die wechselseitige Beeinflussung des Systems mit dem Klienten auch berücksichtigt. Je nachdem, wie das Problem des Klienten ausgelegt ist, können dann fragen entstehen wie: „Wie wird innerhalb der Familie miteinander gesprochen?“, „Was für unausgesprochene Regeln gelten im Freundeskreis?“ oder „Welche Bedürfnisse werden im Schulkontext von System und Klient erfüllt?“. In dem allen Beteiligten die Interaktion und der Umgang miteinander deutlich gemacht wird, kann eine Basis geschaffen werden, um gemeinsam positive Veränderungen herbeizuführen.
„Dieser Beitrag gibt Ihnen einen verständlichen Überblick über die Systemische Therapie. Statt nur auf „das Problem“ zu schauen, richtet dieser Ansatz den Blick auf Beziehungen, Rollen und wiederkehrende Muster – also darauf, wie wir in Familie, Partnerschaft, Beruf oder anderen sozialen Systemen miteinander wirken. Oft entsteht Entlastung schon dann, wenn sichtbar wird, welche Dynamiken Stress verstärken, welche Ressourcen bereits da sind und welche kleinen Veränderungen große Wirkung haben können. In diesem Beitrag erfahren Sie, was Systemische Therapie ausmacht, wie eine Sitzung typischerweise abläuft und für welche Anliegen sie besonders geeignet sein kann. Wenn Sie dabei Hilfe zur Entscheidung brauchen, schreiben Sie mir gerne oder rufen mich für ein kostenfreies Erstgespräch unter 0170 38 175 74 an.“
Was genau bedeutet „systemisch“?
Inhaltsverzeichnis
Aufgrund unserer Natur als Menschen als soziale Wesen, können wir nicht ohne den Einfluss von und auf unser soziales Umfeld gesehen werden- das ist die Perspektive der systemischen Therapien. Es müssen neben biologischen und Einflüssen der Vergangenheit auch soziale Einflüsse mitbetrachtet werden. Was den weiteren Begriff anbelangt, gibt es verschiedene Definitionen und Strömungen einer systemischen Therapiearbeit. Hierbei spielen Überlegungen über das Gleichgewicht innerhalb eines sozialen Gefüges, der Autonomie und wie der Therapeut in die Selbstorganisation mit der Therapie eingreift, eine Rolle.
Wie wird in der systemischen Therapie gearbeitet?
In der Therapie geht es für den Klienten nicht darum, den Ursprung einer Störung herauszufinden. Störungen werden in der systemischen Perspektive als ein Symptom für ein Problem im Miteinander gesehen und erfüllen somit einen wichtigen Zweck. Der Therapeut möchte daher mit dem Klienten den Zweck der Störung aufdecken und die Rollen, die Probleme und Bedürfnisse innerhalb des Systems aufzeigen. Eine Methode stellen sog. zirkuläre Fragen dar, bei denen der Klient in die Rolle eines Systemmitglieds versetzt wird und er so eine andere Perspektive einnimmt. Außerdem können Aufstellungen eingesetzt werden, die zb. der Familie die Struktur und Rollen der Mitglieder vor Augen führen kann.
Bei welchen Störungen werden systemischen Therapien häufig angewendet?
Der gemeinsame Bundesausschuss hat erst 2020 eine zwingende Kassenübernahme für systemische Therapien veranlasst und dabei medizinische Notwendigkeiten für einige Störungsbilder angegeben. Hierzu zählen Angst- und Zwangsstörungen, affektive Störungen wie depressive Episoden, psychische und Verhaltensstörungen durch Drogen, Essstörungen sowie schizophrene und psychotische Störungen.
Wo sind die Grenzen bzw. Risiken von systemischen Therapien?
Therapien haben allgemein hin das Ziel, bestimmte Probleme zu lösen, indem Veränderungen bewirkt werden. Innerhalb einer Organisation oder Familie kann das aber auch bedeuten, dass neue Spannungen entstehen oder Beziehungsprobleme sichtbar werden, die einen Bruch oder andere Veränderungen hervorrufen können. Allgemein sollte beim Begriff „systemische Therapie“ immer auf eine ausreichend fundierte Ausbildung des Therapeuten im Sinne einer Ausbildung als systemischer Psychotherapeut geachtet werden, da die systemischen Therapieformen in den letzten Jahren in vielen Variationen und Kontexten auftaucht und eine Qualitätssicherung und Vereinheitlichung nur durch eine entsprechende Qualifikation gesichert werden kann.
Welche speziellen Therapien werden bei systemischen Therapien unterschieden?
Systemische Familientherapie
Die systemische Familientherapie hat sich aus der Annahme entwickelt, dass Probleme nie als Eigenschaft von Einzelnen, sondern im Zusammenhang mit momentanen Bedingungen der Beziehungen und der Umwelt zu sehen sind. Das Ziel der Therapie ist, die Wahrnehmung der gesamten Familie sowie des Einzelnen im Hinblick auf die Bedürfnisse und Ressourcen der Familie zu erweitern. Indem verschiedenen Perspektiven eingenommen werden, kann die Familie dazu angeregt werden, nicht förderliche Verhaltensweisen zu erkennen und Diese zu ändern.
Systemische Paartherapie
Die systemische Paartherapie basiert – ähnlich wie die Familientherapie – auf der Annahme, dass Schwierigkeiten in einer Partnerschaft weniger als „Schuld“ einer einzelnen Person zu verstehen sind, sondern als Ergebnis wiederkehrender Interaktions- und Kommunikationsmuster. Ziel ist es, diese Muster sichtbar zu machen und die Beziehung als gemeinsames System besser zu verstehen: Welche Erwartungen, Bedürfnisse und Verletzlichkeiten treffen aufeinander? Welche Regeln und Rollen haben sich im Alltag eingeschlichen? Durch Perspektivwechsel, z. B. mithilfe zirkulärer Fragen, Genogrammarbeit oder der Arbeit mit Ressourcen und Ausnahmen, können neue Handlungsmöglichkeiten entstehen. Paare werden dabei unterstützt, ihre Stärken wiederzuentdecken, Konflikte konstruktiver zu bearbeiten und tragfähige Vereinbarungen zu entwickeln – sei es, um Nähe und Vertrauen zu stärken oder um klarer zu entscheiden, wie es mit der Beziehung weitergehen soll.
Systemische Einzeltherapie
Auch für den Einzelnen können Methodiken der systemischen Arbeit Vorteile bieten. Hierbei geht es darum, die Symptome, die der Klient in die Therapie mitbringt, in den Zusammenhang mit seiner Arbeits-, Freundes- oder Familiengefüges zu setzen. Der Klient kann so erkennen, dass seine Symptome ein Ausdruck der täglichen Kommunikation mit seiner Umwelt sind und daraus auch Lösungsmöglichkeiten ableiten. Der Therapeut versucht hier durch zb. zirkuläre Fragen, Ressourcenorientierung und Vereinbarungen von Teilzielen den Klienten bei der Lösungsfindung zu unterstützen.
Systemische Familienmedizin
Nicht nur psychische, sondern auch körperliche Krankheiten können unser Familiengefüge beeinflussen – und von ihr beeinflusst werden. Im Zentrum der systemischen Familienmedizin steht daher, wie das Leid eines Familienmitglieds durch körperliche Krankheit die zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb einer Familie beeinflusst und was dies wiederum für einen Einfluss auf das Leben des kranken Familienmitglieds hat. Hierbei arbeiten Mediziner und Experten aus den psychosozialen und sozialdienstlichen Bereichen zusammen, um Familien über die körperliche Gesundheit hinaus zu unterstützen.
Systemisches Coaching
Das systemische Coaching stellt einen nicht-klinischen, dynamischen Ansatz der systemischen Beratung dar. Das heißt, dass Einzelpersonen hier hinsichtlich ihrer individuellen Ziele im Leben innerhalb ihres Jobgefüges oder einem anderen System, ihrer Kompetenzen und Wünsche unterstützt werden. Der Coach hilft dem Klienten, die eigenen Kompetenzen und Anforderungen seiner Umwelt zu reflektieren und die Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit des Klienten zu stärken. Es wird weiterhin gemeinsam geprüft, was bestimmte gewünschte Veränderungen für Auswirkungen für das Umfeld und die Zukunft des Klienten haben könnten, um so eine Lösung zu erarbeiten, die dem Klienten vor allem Orientierung aufzeigt.
Systemische Organisationsberatung
Eine Organisation, zum Beispiel im Arbeitskontext, kann komplexe und im Alltag oft komplizierte Strukturen haben, in denen die Einzelperson oder die gesamte Organisation Probleme bei der effektiven Umsetzung ihrer Ziele haben kann. Bei dieser Form der Beratung geht es aber weniger um ein klar begrenztes Ziel in der Gegenwart, sondern eher um eine langfristige Problemlösung im Hinblick auf eine zielführende Entwicklung der Organisation. Dabei sollen die Werte und Arbeitskultur stets im Blick gehalten werden. Der Coach reflektiert in der Beratung Kommunikationsbarrieren in bestimmten Hierachie-Ebenen und versucht, Potentiale bei Mitgliedern oder Mitarbeitern zu identifizieren, die der Organisation so langfristig weiterhelfen können. Dabei geht es darum, die Waage zu halten im Hinblick auf neue Innovationen und Traditionen und Werte der Organisation, um die Struktur von Sicherheit und Gemeinschaft innerhalb der Organisation beizubehalten.
Wie lange dauern systemische Therapien im Durchschnitt?
Im Allgemeinen können auch im systemischen Bereich durch unterschiedliche Kontexte und individuelle Problemstellungen keine einheitlichen Aussagen über eine durchschnittliche Therapiedauer getroffen werden. Beispielhafte Aufstellungen von Kassenleistungen in den systemischen Therapien zeigen, dass im Durchschnitt 36 Stunden als Langzeittherapie, d.h. deutlich weniger als in anderen sog. Richtlinienverfahren der Psychotherapie, von den Krankenkassen übernommen werden.
Therapeutensuche
Wenn Sie an einer systemischen Psychotherapie interessiert sind, kann ihnen die Therapeutensuche im systemischen Psychotherapieverzeichnis der Website therapeutenfinder.de helfen, Kontakt mit einem systemischen Therapeuten oder Berater aufzunehmen. Diese finden Sie unter folgendem Link:
Interessante (gut verständliche) Links im Internet
Systemische Therapie – netdoktor.de
Systemisches Coaching – systemischegesellschaft.de
Buchempfehlungen
Systemische Beratung und Familientherapie – kurz, bündig, alltagstauglich
Rainer Schwing, Andreas Fryszer