Im Grunde genommen kennen wir uns selbst am besten- und können uns so mit bestimmten Methoden helfen und unterstützen unsere psychische Gesundheit zu erhalten. Das Erfüllen unserer Bedürfnisse, das Reflektieren unserer Beziehungen und das Überwachen unseres Stresslevels- das sind Beispiele für Bereiche, in denen wir für unsere eigene psychische Gesundheit sorgen können. Dies funktioniert aber nur bis zu einem bestimmten Punkt, ab der die psychische Gesundheit andere Unterstützungsangebote wie Therapie oder Medikamente benötigt. Nachfolgend werden einige Strategien und Anlaufstellen zur Selbsthilfe vorgestellt.
„Dieser Beitrag gibt Ihnen einen verständlichen Überblick über Selbsthilfegruppen. Viele Menschen zögern zunächst: „Passe ich da überhaupt hin? Muss ich viel von mir erzählen? Und was, wenn ich jemanden treffe, den ich kenne?“ Genau solche Fragen sind normal – und oft zeigt sich schon nach den ersten Treffen, wie entlastend es sein kann, mit anderen in Kontakt zu kommen, die Ähnliches erleben. Selbsthilfegruppen bieten einen geschützten Rahmen, in dem Erfahrungen geteilt, praktische Tipps ausgetauscht und neue Perspektiven gewonnen werden können – ohne Bewertung und ohne Leistungsdruck. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie Selbsthilfegruppen typischerweise ablaufen.“
Was sind die Schwerpunkte der psychologischen Selbsthilfe?
Inhaltsverzeichnis
Unter psychologischer Selbsthilfe versteht man die Erhaltung der eigenen psychischen Gesundheit durch Austausch, Reflexion und Achtsamkeit der eigenen psychischen Prozesse. Dies wird häufig durch Institutionen von außen unterstützt und/ oder angeleitet. Dies kann durch Selbsthilfegruppen gemeinnütziger Vereine, Coaches, von Fachpersonen verfasste Literatur oder Onlineforen stattfinden. Schwerpunkte der Selbsthilfe sollten dabei immer das Kennenlernen der eigenen Problembereiche und das achtsame Empfinden der eigenen Grenzen bei der Beschäftigung mit der eigenen Psyche sein.
Bei welchen Störungen werden Maßnahmen der Selbsthilfe häufig angewendet?
An dieser Stelle sei klar gesagt: bei einer bereits auftretenden psychischen Erkrankung sollte unbedingt ein beratender Psychologe/ Psychotherapeut oder ein Psychiater aufgesucht werden. Bei einer akuten Krise sollte ein Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik abgewogen werden. Bei paralleler psychologischer Anbindung können bspw. Selbsthilfegruppen oder Fachliteratur helfen, die eigene Erkrankung besser zu verstehen. Diese gibt es störungsspezifisch, also in Gruppen, die sich speziell auf bspw. Depressionen oder Angsterkrankungen spezialisieren und in denen Problemlösestrategien besprochen werden. Außerdem gibt es Selbsthilfegruppen, in denen die Teilnehmer eine andere Gemeinsamkeit wie Lebensphase oder Alter teilen und von den verschiedenen Erfahrungen bei psychischen Erkrankungen und Strategien der anderen Teilnehmer profitieren können.
Bei niederschwelligen psychischen Problemen bspw. bei der Motivation, Prüfungsangst, Stress oder vereinzelt auftretenden Verstimmungen oder der Beziehungsführung kann eine Beratung bei Coaches oder der Beschäftigung mit Fachliteratur helfen, das eigene Verhalten besser zu verstehen und das Wohlbefinden zu steigern.
Wo sind die Grenzen von Maßnahmen zur Selbsthilfe?
Bei bereits gestellten Diagnosen und psychischen Problemen, die viel Leidensdruck ausüben, sodass der Alltag an den meisten Tagen nicht mehr beschwerdefrei gelebt werden kann, sollte auf Selbsthilfe verzichtet werden. In diesem Fall sollte eine Therapie im Bereich der Verhaltenstherapie, der tiefenpsychologisch fundierten Gesprächstherapie oder Psychoanalyse in Anspruch genommen werden. Bei Selbsthilfegruppen, Coachings und Fachbüchern sollte auf eine entsprechend wissenschaftliche Ausbildung der Anleiter und Autoren geachtet werden- ein Studium der Psychologie, Medizin oder Pädagogik oder langjährige Erfahrung im Bereich der Beratung sollten einen gewissen Standard der Selbsthilfe sicherstellen.
Welche Formen der Selbsthilfe werden unterschieden?
Selbsthilfegruppen
Selbsthilfegruppen können ein Ansatz sein, die eigenen Probleme in einem sicheren Raum zu besprechen, andere Perspektiven zu erfahren und auch soziale Probleme zu bearbeiten. Schwierigkeiten in der Kommunikation, der Offenbarung der eigenen Gefühlswelt oder auch die eigene Position im Leben mit der Problematik können in der Gruppe gespiegelt und trainiert werden. Ein wichtiger Vorteil gegenüber Therapien stellt hier auch die Umgebung mit Gleichgesinnten mit ähnlichen Problemen dar- diese verstehen die eigenen Gedanken und Gefühle oft auf einer persönlicheren Ebene und können so das Gefühl vermitteln, nicht allein mit den psychischen Schwierigkeiten zu sein. Auch für Angehörige und Kinder von psychisch Erkrankten können Selbsthilfegruppen einen Raum für Unterstützung und Austausch bieten. Allgemeine Themen für Gruppen können Sucht, Behinderungen, (chronische) körperliche und psychische Erkrankungen und besondere Lebenssituationen wie Renteneintritt, Trauer oder ein Schuldenfall sein.
Coachings und Beratung
Ein Coaching kann helfen, die persönliche Entwicklung voranzutreiben. Dies können Ziele, Motivation, die Persönlichkeitsentwicklung, die Bewerbung für einen Job oder Konflikte in Beziehungen betreffen. Der Coach hilft seinem Coachee, sich die eigenen Bedürfnisse und Ziele vor Augen zu führen und diese mithilfe seiner Ressourcen selbst zu erreichen. Im besten Fall ist das Ergebnis eines erfolgreichen Coachings ein gemeinsam entwickelter Lösungsweg, der mit den Ressourcen des Coachees mit möglichst wenig Kosten erreicht werden kann. Da der Begriff des Coaches nicht geschützt ist, gilt es gerade hier auf Erfahrungswerte anderer Klienten und eine entsprechende Berufspraxis des Coaches zu achten. Ein Coach sollte in jedem Fall nur motivieren und die Ziele des Klienten im Blick haben, anstatt mit seiner eigenen Meinung den Coachee zu beeinflussen.
Die psychologische Beratung richtet sich an Menschen, die ihre psychische Gesundheit verbessern wollen und individuelle Problemlösung anstreben. Auch in Lebenskrisen kann eine Beratung unterstützend wirken. Allerdings wird auch hier mit psychisch gesunden Menschen, also Klienten ohne klinische Diagnose, gearbeitet. Ziel einer psychologischen Beratung ist es, das psychische Wohlbefinden zu steigern und wenn nötig an therapeutische oder klinische Adressen zu verweisen. In Beratungsstellen zu Sucht, schwierigen Lebenssituationen oder Paar- und Eheproblemen sollte auch hier auf eine entsprechend wissenschaftlich fundierte Ausbildung der Berater als Pädagogen oder Psychologen geachtet werden.
Achtsamkeitstraining
Achtsam auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und die momentane Situation wahrzunehmen kann helfen, eine psychische Erkrankung gar nicht erst entstehen zu lassen bzw. dem erneuten Ausbruch einer akuten Episode der Erkrankung vorzubeugen. Es ist außerdem wissenschaftlich bewiesen, dass Achtsamkeitstechniken wie die mindful-based-stress-reduction (MBSR) psychischen Stress lindern können. Deshalb werden entsprechende Kurse auch oft von den Krankenkassen teils vollständig übernommen.
Der Schlüssel ist hier die regelmäßige Wiederholung von Achtsamkeitspraktiken: Untersuchungen aus der Neuropsychologie haben gezeigt, dass wir durch regelmäßige Übungen unser Gehirn umstruktieren können, um mit Stress in Zukunft gesundheitsförderlicher umzugehen. Dies kann mit der richtigen Wahl der Übung und des Mediums erreicht werden: ob wissenschaftlich fundierte Apps, Programme von Psychologen oder Achtsamkeitskarten, Meditationen oder der Arbeit mit Glaubenssätzen ist eine Fülle von Möglichkeiten zur eigenen achtsamen Lebensweise gegeben.
Foren und Austauschplattformen
Das Internet bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten, sich mit Gleichgesinnten und Leidensgenossen zu vernetzen. Hier ist Vorsicht geboten, da Inhalte anderer oft nicht kontrolliert werden und Leidensgeschichten potenziell triggernd, also negativ beeinflussend wirken können, ohne dass die Auswirkungen von einer professionell ausgebildeten Person abgefangen werden. Für Betroffene und Angehörige können moderierte, geschlossene Foren dennoch ein guter Weg sein, in den Austausch zu treten und ihre Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln gespiegelt zu sehen. Links zu moderierten Foren für Betroffene und Angehöriger psychischer Erkrankungen finden Sie unter diesem Beitrag.
Interessante (gut verständliche) Links im Internet
Links zu Selbsthilfe-Angeboten – therapie.de
Gemeinsam stark in der Selbsthilfegruppe – malteser
Buchempfehlungen – Populärliteratur und Selbsthilfebücher
In der Populärliteratur gibt es viele Selbsthilfebücher, die in den letzten Jahren einen regelrechten Trend erlebt haben und die Aufarbeitung von Traumata, Beziehungsproblemen oder spirituelle Selbstheilung versprechen. Hierbei ist unbedingt darauf zu achten, dass der Autor eine entsprechende Qualifikation aufweist, sodass Kenntnisse, die Er oder Sie vorstellt, den wissenschaftlichen bzw. psychologischen Kenntnisstand widerspiegeln. Als kleiner Leitfaden kann hier der Griff zu wissenschaftlichen Verlagen helfen: Der Hogrefe- Verlag oder der Springer-Verlag bspw. verlegen zu vielen Randbereichen des psychischen Wohlbefindens Bücher zu Selbsthilfe, die zur Reflexion anregen und verhaltenstherapeutische Elemente beinhalten. Hierbei basieren die Vorschläge auf wissenschaftlich geprüften Kenntnissen aus der Psychologie und Medizin.
Tiefenpsychologische Inhalte werden bspw. in den Büchern von Stefanie Stahl, einer bekannten Psychotherapeutin, vermittelt und können mit Arbeitsbüchern vermittelt werden. Hierbei geht es bspw. darum, wie uns die eigene Kindheit in unserem Leben beeinflusst und wie Beziehungen mit diesem Wissen verbessert werden können.
Stärker als die Angst – Rufer et al Hogrefe Verlag
Achtsamkeit statt Angst und Panik: Mit Meditation zu Ruhe, Frieden und (Selbst-)Sicherheit – Peter Beer, Buch und interaktives Online-Programm „Achtsamkeitsakademie“